Für Zuweiser

Das Mobile Langzeit-EEG (MLE) am Zürcher Epilepsie-Institut

Patientinnen und Patienten, die Sie uns zuweisen, müssen einmal zum Kleben der Elektroden zu uns kommen. Die weitere Untersuchung findet dann aber in ihrem gewohnten Umfeld statt. Nach der dreitägigen Ableitung können wir – nach Ihren Wünschen – die Klebeelektroden in unserem Institut abnehmen oder Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anleiten, dies in Ihrer Praxis oder Ihrem Spital zu übernehmen. Die Befundung und Beurteilung der so erhobenen Daten erhalten Sie selbstverständlich schnellstmöglich von uns.

Auf Wunsch – und mit dem Einverständnis Ihrer Patientinnen und Patienten – können wir Ihnen charakteristische bzw. entscheidende Abschnitte des MLE online zur Verfügung stellen. Gerne machen wir auch Vorschläge für das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen oder zur Beurteilung der Fahrtauglichkeit und Arbeitsfähigkeit etc., sollten Sie dies wünschen. Keinesfalls werden wir aber uns zugewiesene Patientinnen und Patienten weiterbehandeln oder „zur Kontrolle“ wieder aufbieten.

Indikationen für ein mobiles Langzeit-EEG (MLE)

  • Ein vorübergehender Bewusstseinsverlust ("Transient Loss of Consciousness"; "Blackout") ist ein häufiges medizinisches Problem. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 50% der Bevölkerung einmal im Leben davon betroffen sein können.1 Insbesondere mögliche kardio-vaskuläre, neurologische oder psychische Ursachen müssen dann abgeklärt werden. Wenn differentialdiagnostisch an einen möglichen epileptischen Anfall zu denken ist, das MRI und das Standard-EEG aber unauffällig sind, ist es kaum möglich, nur durch die Anamnese einen stattgehabten Anfall nachzuweisen oder auszuschliessen. In diesen Fällen kann ein mobiles Langzeit-EEG weiterhelfen: Wenn nach einer unklaren Bewusstseinsstörung in einem Langzeit-EEG über 72 Stunden epilepsietypische Potentiale nachzuweisen sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei dem Ereignis um einen epileptischen Anfall gehandelt hat. Umgekehrt zeigt ein Fehlen epilepsietypischer Potentiale während eines dreitägigen EEGs bei uneindeutiger Klinik, dass das Bestehen einer Epilepsie sehr unwahrscheinlich ist.2
     
  • Die gleiche Frage kann sich auch bei einer vordiagnostizierten Epilepsie nach längerer Anfallsfreiheit stellen: Nicht jeder plötzliche Bewusstseinsverlust muss ein Anfallsrezidiv darstellen. Auch Patientinnen und Patienten mit einer vorbestehenden Epilepsie können eine Synkope oder einen nicht epileptischen Anfall erleiden.
     
  • Wenn sich nach mehrjähriger Anfallsfreiheit die Frage stellt, ob die anfallspräventive Medikation ganz ausgeschlichen werden soll, kann ein MLE helfen, das Risiko eines solchen Vorgehens besser einzuschätzen.
     

1. National Institute for Health and Care Excelence (2010): Transient loss of consciousness (‘blackouts’) in over 16s. Clinical Guideline. www.nice.org.uk/guidance/cg109.

2. Mothersill IW, Cenusa M, Bothman J, Kronauer H, Hilfiker P, Grunwald T. (2012) A reappraisal of the value of interictal EEG findings in diagnosing epilepsy plus a critical review of controversial “normal variants”, utilising long-term ambulatory EEG recordings. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 163, 11-18.

Link1https://www.nice.org.uk/guidance/cg109
Link2https://www.researchgate.net/publication/281438365_A_reappraisal_of_the_...